Hintergründe und Beobachtungen

In den öffentlichen Islamdiskursen wird „der“ Islam bzw. werden „die“ Muslime oft als statischer Block gesehen, der unvereinbar scheint mit dem Zusammenleben in einer Demokratie. Obwohl diese Bilder wenig mit den Lebensrealitäten von muslimisch gelesenen Menschen zu tun haben, halten sie sich hartnäckig und werden von Medienschaffenden und PolitikerInnen reproduziert.

Diese Stereotypen Bilder tragen in mehrfacher Hinsicht zur gesellschaftlichen Spaltung bei:

  • Die angebliche Unvereinbarkeit führt zu einem Identifikationsdilemma: Viele junge muslimisch gelesene Menschen nehmen die spaltenden Identitätszuschreibungen an und wenden sich von Politik und Gesellschaft ab, anstatt sich proaktiv mit ihren Perspektiven einzubringen.
  • Die starke Polarisierung in den Debatten führt zu einer Fragmentierung der muslimisch gelesenen Communities und zu einer Entsolidarisierung untereinander. Dies erschwert einen konstruktiven Diskurs, der als Voraussetzung für gemeinschaftliche Positionen und zur Überwindung von bestehenden Herausforderungen jedoch dringend benötigt wird.
  • Wenn (muslimische) Vielfalt doch dargestellt wird, dann in der Regel nur unter Verwendung von politisierten Labels wie „liberal, konservativ, säkular“ – die den heterogenen Lebensentwürfen der Menschen nicht gerecht werden und lediglich weitere Kategorisierungen konstruieren.
  • Häufig wird das Label „Muslim“ auch für Menschen verwendet, die sich selbst gar nicht muslimisch begreifen. Diese „Muslimisierung“ ist problematisch, weil sie die Selbstbeschreibungen ignoriert und die Perspektiven dieser Menschen damit marginalisiert. Außerdem werden eigentlich religionsferne Themen, wenn von diesen Menschen geäußert, in einen religionspolitischen Kontext gesetzt, der in den meisten Fällen sachlich abwegig bis kontraproduktiv ist.

Die Vielfalt des muslimischen Lebens, in gesellschaftlichen Diskursen und im Austausch mit Medien und Politik sichtbar zu machen sowie deutlich zu machen, dass viele Menschen zwar muslimisch markiert werden – sich aber selbst überhaupt nicht als Muslime begreifen, halten wir für probate Mittel gegen stereotype Bilder und zur Sicherung des gesellschaftlichen Zusammenhaltes.